• Christin

Weltreise mit Kindern: Wie du Außergewöhnliches wagst

INTERVIEW-SPECIAL MIT LISA UND PHIL VON KLEINEKOENIGINAUFWELTREISE


Im Blogartikel erfährst du:

… wie du mit Bedenken anderer umgehen kannst, wenn du etwas Außergewöhnliches tust.

... was das Besondere daran ist, mit kleinen Kindern zu verreisen.

... warum es wichtig ist, zu wissen, welcher Reisetyp du bist.

... wie du dir eine lange Reise finanzieren kannst.



Lisa und Phil lieben das Reisen. Als Friedas Geburt sie 2016 zu einer kleinen Familie macht, lernen sie die Welt durch Kinderaugen kennen. Wo andere sich nicht mehr trauen, in ferne Länder zu reisen, brechen Lisa und Phil mit Frieda zu einer Weltreise auf. Heute sind sie wieder unterwegs. Im März 2019 wird Paul geboren und schnell ist klar, dass sie auch in ihrer zweiten Elternzeit wieder los reisen. Corona zwingt sie im Frühjahr dazu, von Südamerika verfrüht zurück nach Deutschland zu kommen. Nach einer kurzen Zwangspause bei ihren Eltern erkunden sie aktuell Europa mit dem Camper. Über das Reisen mit kleinen Kindern, den Umgang mit Bedenken und kleine und große Krisen auf Reisen.



Was ist für euch das Schöne daran, mit Kindern auf Weltreise zu fahren?

Phil: Ich habe gerade mit einer Freundin dazu geschrieben, die schon auf der ganzen Welt unterwegs war. Auch die meinte: Boa, was ist das für ein Abenteuer. Selbst wenn du reiseerfahren bist, heißt das nicht, dass du dich das mit Kindern traust. Also, warum gerade jetzt eine Weltreise? Durch die Elternzeit können wir relativ easy, das umzusetzen, was unsere Leidenschaft ist. Und so unsere Kinder den ganzen Tag bei uns haben. Das Schönste ist nämlich die Zeit, die du miteinander verbringst. Und – das ist der zweite Punkt – es ist spannend, die Welt mit den Kindern durch ihre Augen zu entdecken. Frieda stellt oft Fragen, bei denen wir denken, ja gute Frage. Oder was sie dann auch aufschnappt, was sie so in Deutschland gar nicht aufgeschnappt hätte. Gerade das Essen war immer ein großes Thema. Frieda kannte ganz andere Früchte, hat früh einen Algensalat gegessen. Sie geht am Strand auch gern mit Lisa Müll sammeln. Das würden wir an der Nordsee nicht machen. Dadurch ist für Frieda Müll ein Thema. Paul ist auch schon angefixt, der mag gern Müll wegbringen. Dieses Bewusstsein für Müll hätte sie hier wahrscheinlich nicht bekommen.

Eine Reise durch die Welt ist aufregend - mit Kindern sicher noch aufregender. Welche Bedenken hattet ihr?


Phil: Wir würden nicht in Krisengebiete fahren. Und wir haben natürlich eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, die wir vorher nie hatten. Und wir wollen finanziell die Möglichkeit haben, nach Hause zu fliegen. Auf der Reise mit Frieda haben wir z.B. Südamerika wegen Zika ausgeschlossen, weil ein zweites Kind geplant war.

Aber auf der emotionalen Beziehungsebene haben wir uns keine Gedanken gemacht – ob das zu stressig für uns oder für die Kinder sein könnte. Du kannst immer abbrechen. Du bist es niemandem schuldig, das bis zum Ende durchzuziehen. Das ist deine Reise: Du kannst sie schneller machen, du kannst sie langsamer machen. Und daher waren wir uns sicher, wenn es nicht mehr geht, passen wir es an. Diese Flexibilität war für uns wichtig. Dann sind die Bedenken auch nicht mehr groß.

Lisa: Eine große Sorge hatte ich. Es war klar, wenn wir noch ein zweites Kind kriegen, machen wir das auf jeden Fall noch einmal. Aber was auch klar war, wir warten bis es gesund auf der Welt ist und buchen dann erst einen Flug. Hätte ja sein können, dass irgendwas schief geht oder es voll das Schreikind ist. Dann hätte ich das nicht machen wollen. Dann bist du irgendwo, dann weint es die ganze Nacht und das ist halt ein Druck, dem wollte ich mich nicht aussetzen. Es ging mit Paul aber voll gut und dann haben wir gesagt, dass wir es einfach machen.

Wir hatten schon den Fall, dass Frieda in Bali im Bad ausgerutscht ist und operiert werden musste. Das war ein großer Schock zuerst, aber auch das haben wir super hingekriegt. Wir sind ein gut eingespieltes Team. Das war schon ein Worst-Case-Szenario – dein Kind verletzt sich und muss operiert werden. Aber hat zum Glück auch funktioniert.

Phil: Ein Kind ist ein Multiplikator. Wenn du einen Unfall hast, dann ist der mit Kindern natürlich viel schlimmer. Aber wenn du auf Hawaii am Strand bist, hast du hinterher die Bilder von Frieda, die im tollen roten Sand spielt. Das ist natürlich was anderes, als wenn ich auf dem Foto mit sandigem Gesicht bin. Kinder machen das besonders. Und viele Erinnerungen hängen mit den Kindern zusammen. Zum Beispiel, dass Frieda in Neuseeland ihre ersten freien Schritte gemacht hat. Das ist schon spektakulär, wenn du die Welt quasi mit Erinnerungen abstecken kannst.





Wie geht ihr mit Familie und Freunden um, die mit Bedenken auf euch zukommen?

Lisa: Die Familien sind eigentlich die Schlimmsten, weil die uns vor uns selbst schützen wollen. Wir haben unsere Eltern schon ganz gut dahin erzogen, dass sie akzeptieren, dass wir eben unser Ding durchziehen. Aber ich glaube es hilft, wenn wir ihnen vermitteln, dass wir uns das gut überlegt haben. Auch was eintreten könnte und dass wir einen Plan haben, was wir dann tun können. Beispiel Krankheit: Ja, wir haben eine Auslandskrankenversicherung, die das übernimmt. Reiseabbruch: Ja, wir haben ausreichend Geld zur Seite gelegt, damit wir zurückreisen können.

Phil: Die familiären Bedenken musst du dir anhören. Du musst die Diskussion eingehen, um die Familie zu beschwichtigen und zu beruhigen. Die externen Bedenken sind natürlich teilweise auch sehr unsachlich. Die Familie kann man noch entschuldigen mit Emotionalität. Die Externen sind teilweise aber auch nützlich. Mag ja sein, dass unter den Bedenkenträgern jemand ist, der sich gut auskennt. Vielleicht ist da jemand, der sagt Oman kannst du machen, aber dort und dort musst du aufpassen. Wenn ich den abkanzeln würde, das bringt dich dann beim Reisen auch nicht weiter.

Daher mein Rat: Lasst euch von Bedenken nicht verunsichern. Hört sie euch an, schaut, wer sagt mir das, was ist sein Erfahrungsschatz und dann ordnest du das für dich ein. Wie das im ganz normalen Leben auch ist.

Lisa: Und es gibt natürlich noch andere Bedenken. Phil hat zwei Jahre Elternzeit eingereicht. Das ist natürlich auch ein Ding und das als Mann. Bei Frauen kann man das irgendwie noch verstehen. Dann kommen die Bedenken, ob wir dadurch unseren Job verlieren. Was ja eigentlich nicht geht. Und dann kommen noch die Bedenken finanzieller Art. Wieso nehmt ihr nicht das Geld und kauft euch davon ein Haus? Was viele bei uns um Umfeld machen.

Phil: Gute Differenzierung: Hat jemand Bedenken, weil er an dir interessiert ist und dich schützen will oder äußert er Bedenken, um es zu verstehen oder will er es auch einfach nur verurteilen? Viele wollen auch einfach wissen: Wie macht ihr das denn finanziell? Die sehen dann gar nicht, was für einen Mehrwert eine Reise als Familie hat. Für die ist das einfach Geld verbrennen. Sie sehen nicht, was du dafür zurückbekommst, was du in die Reise, in die Familie und deine Kinder investierst. Und die Diskussion brauchst du dann gar nicht erst führen. Dann muss man sagen: Ok, das ist nicht dein Ding – für dich ist das Auto wichtiger oder der Fernseher. Wir rechtfertigen uns nicht dafür. Wir machen das für uns.




Was ratet ihr Eltern, die das auch gerne so machen möchten wie ihr, sich aber noch nicht so richtig trauen?

Lisa: Also, zunächst würde ich die Eltern fragen, wie sie vorher gereist sind und wie reiseaffin sie sind. Plus, viele haben da eine Art Blase im Kopf und denken, wir sind dauerhaft im Urlaub. Urlaub und Reisen unterscheiden sich! Wir waschen auch Wäsche, wir waschen auch Teller ab. Irgendwann pendelt sich ein Reisealltag ein. Manchen muss man zunächst diesen Zahn ziehen. Dieses romantische „Ich bin dauerhaft im Urlaub“ – das findet nicht statt. Da kommen Briefe von Zuhause, die beantwortet werden wollen, E-Mails, du musst Sachen organisieren. Wir organisieren auf der Reise die Unterkünfte und die Flüge. Und das ist auch wie eine Aufgabe. Dazu haben wir die Kinder 24/7, die wollen beschäftigt werden. Wir wollen uns ja auch sinnvoll mit ihnen beschäftigen und setzten sie nicht stundenlang vors iPad.

Dann würde ich die Leute fragen, wie ihre Zielvorstellung aussieht. Viel Abenteuer? Oder in einem fremden Land die komplette Zeit zu verbringen? Man muss ja gar nicht so viele Länder sehen. Manchmal liegt auch der Reiz darin, im Unbekannten länger zu sein oder in einer Stadt zu leben, in der man immer schon mal leben wollte. Jemand der vorher viel pauschal unterwegs war, wird nicht glücklich, wenn er die große Individualreise plant. Oder man plant es eben von Anfang bis Ende durch.



Phil: Es ist ein bisschen wie ein Risikoprofil: Wie viel Risiko verträgst du? Wie viel Unsicherheit verträgst du? Du kannst an jeder Stellschraube drehen: Welche Art von Unterkunft ist es? Wie bewege ich mich fort? Wir haben zum Beispiel bei der ersten Reise alle Flüge in ein Land und aus einem Land heraus vorab gebucht. Bei der zweiten Reise haben wir die Flüge währenddessen gebucht. Bedeutet natürlich bei der ersten Variante, dass du einen starren Rahmen hast, der dir eine gewisse Sicherheit bietet. Du weißt, du hast deine Flüge und musst dich darum nicht kümmern. Aber du verlierst an Flexibilität. Bei der zweiten Reise sind wir plötzlich in die Bredouille gekommen. Wir kamen aus dem Land nicht heraus, so wie wir das wollten. Dann verlierst du auch mal einige Euro an einen Flug. Du kannst aber auch spontan ein anderes Land ansteuern. Wenn du die Freiheit magst, dann machst du es halt Stück für Stück während der Reise. Wenn du deinen Zeitrahmen schon kennen und wissen willst, wo du in zwei Wochen schläfst, dann buchst du vor. Wir hatten teilweise Tage, da wussten wir mittags noch nicht, wo wir abends schlafen oder sogar in welcher Stadt wir dann sind.

Lisa: Und dann muss ich sagen, dass das Reisen mit Kindern sehr viel schöner, aber auch komplexer ist. Du kannst nicht einfach so Taxi fahren. Du brauchst eine Babyschale. Das Kind schläft – wie transportieren wir es? Oh nee, jetzt schläft es gerade jetzt. Hmm, blöd. Und es gibt auch unter den Eltern Typen, die sehr starre Abläufe haben und mir schreiben, dass ihr Kind erst nach vier Tagen an einem Ort schläft. Na, das ist natürlich ein No-Go. Dann sollte man nicht alle zwei Tage die Unterkunft wechseln. Das wäre natürlich eine Vollkatastrophe.


Jetzt kommen wir zur Dauerbrenner-Frage auf eurem Kanal: Wie finanziert ihr eure Reisen? Welche Tipps habt ihr hier?

Lisa: Wir haben den riesen Vorteil, dass wir sehr sparsam leben. In Hamburg haben wir bis vor kurzem in unserer Studentenwohnung gewohnt. Dafür wollte ich mal eine Hausratsversicherung abschließen. Der von der Versicherung hat mich gefragt, wie wertvoll denn das Inventar sei. Da haben wir festgestellt, dass es überhaupt keinen Sinn macht hier irgendwas zu versichern, weil das quasi nix wert ist. Als wir angefangen haben, zu arbeiten, haben wir keine riesen Sachen angeschafft. Wir haben nichts, was wir abbezahlen müssen. Wir haben nichts, was wir finanziert haben. Unser Eigentum ist wirklich wenig, obwohl wir jetzt Kinder haben.


Phil: Wir gehen selten feiern. Wir haben auch keinen Fernseher. Für uns war es immer das Reisen, wo wir unser Geld ausgeben. Unser Lebensstil im Alltag ist geprägt von Sparen und darauf ausgelegt, dass wir die Welt sehen wollen.

Lisa: Das ist eine ganz klare Prioritätenfrage für uns.

Phil: Ich glaube auch, dass jeder weiß, wo er sparen kann. Lisa ist in Hamburg Fahrrad und ich bin Bahn gefahren. Das ist im Alltag eine Stellschraube, an der du sparen kannst. An den Kindern oder am Essen zu sparen, sind für uns keine Alternativen, aber an der Elektronik oder

Kleidern schon. Man muss sich nicht überversichern. Es ist für uns kein Hexenwerk.

Lisa: Unser Gespartes investieren wir ins Reisen. Und logischerweise haben wir jetzt nicht parallel noch nach einem Haus gesucht und die Wohnung vergrößert und noch ein Auto gekauft, das jetzt hier rumsteht.

Phil: Wenn das Sparen fürs Reisen weh tut, dann ist das vielleicht nicht das Richtige. Wer jetzt seit zwei Jahren schon so viel mehr arbeitet und spart und dadurch die Erwartungshaltung an die Reise schon sooo groß wird. Naja, da sollte man vielleicht wieder vorsichtig sein, wie gesund das wiederum ist.

Lisa: Es gibt da nicht den konkreten Plan, von dem man sagen kann, damit kriegt es jeder hin. Es ist auch nicht so, dass es jeder hinkriegen kann. Wir hatten immer das Glück, ausreichend Geld zur Seite legen zu können.

Phil: Und dann kommt gleich der nächste Punkt: Das eine ist ja das Geld zur Seite zu legen, der andere es dann auch wirklich sinnvoll auszugeben. Es muss nicht immer der direkte Flug sein, ggf. fällt auch mal ein Land aus dem Raster raus, weil es einfach zu teuer ist oder weil da gerade eine besondere Jahreszeit ist, wie das Blütenfest in Japan. Das kannst du dir auf einer Weltreise dann halt nicht leisten. Die Highseason musst du im Auge behalten. Das wirtschaften davor und währenddessen – darauf kommt es an.

Lisa: Viele denken, dass wir eine Art Sparplan für die Reise haben und jeden Tag wüssten, wieviel Budget wir haben. Aber das brauchen wir eigentlich gar nicht. Bei der Unterkunft merken wir ja schon, dass 80 Euro auf Dauer ein bisschen viel sind. Man weiß ja auch, was man zuhause zur Verfügung hat.

Viele haben uns gefragt, warum wir unseren Camper aus Kanada verkauft und nicht nach Deutschland verschifft haben. So läuft das halt einfach nicht – du kaufst dir unterwegs keine Souvenirs und verschiffst dann erst recht keinen Camper. Du willst das Geld für die Reise ausgeben.

Und klar gönnt man sich auch was. Ich bin zum Beispiel in Neuseeland auf den Gletscher drauf. Da weiß man ja nicht, wie lange das noch möglich ist. Und es ist einfach etwas so Besonderes. Da macht man das halt, auch wenn es einen Haufen Geld kostet. Aber alles geht natürlich nicht. Plus wir haben viele Länder bereist, in denen die Natur einfach das Besondere ist. Einfach da zu sein und die Natur auf sich wirken zu lassen.

[Phil bringt Paul ins Bett und das Interview geht mit Lisa allein weiter.]




Euren Camper wolltet ihr in den USA verkaufen, was dann aber nicht geklappt hat. Ihr musstet zurück nach Kanada. Sicher nur eine von vielen Herausforderungen, die ihr auf Reisen hattet. Wie seid ihr damit umgegangen?

Lisa: Ja, auf jeden Fall. Nachdem wir den Camper von Mexico zurück hoch nach Vancouver Island fahren mussten, hatten wir fast in jedem Land etwas, das nicht so lief, wie ursprünglich gedacht. Für mich war ein richtiges Ding, dass wir nicht von Panama nach Kolumbien mit dem Schiff fahren konnten. Das hatte ich von langer Hand geplant und dann hieß es auf einmal so: nö, ist zu windig. Dann mussten wir schnell alles umbuchen. Das sind kleine Krisen, wo es gut ist, dass wir zwei als Team gut funktionieren und relativ schnell eine Entscheidung treffen können. Klar, trauere ich Sachen dann manchmal noch hinterher und denke, das wäre so schön gewesen. Es passiert auch, dass wir es im Nachhinein vielleicht anders gemacht hätten. Ich mein, wir hätten in Panama auch warten können, bis der Wind weg geht. Aber klar, es passiert dann halt, wenn man schnelle Entscheidungen treffen muss, dass man gewisse Alternativen gar nicht sieht.

Und wenn die Stimmung mal kippt, wie damals in San Diego, als wir den Camper nicht verkauft bekommen haben, merken wir, dass wir gegenwirken müssen. Das bekommen auch die Kinder mit, dass irgendwie etwas im Busch ist. Wir machen dann eine Krisensitzung und planen um. Meistens loten wir relativ kurz unsere Optionen aus. Jeder sagt, was er denkt, ganz frei. Wenn ich gesagt hätte, ich will unbedingt mit dem Schiff nach Kolumbien, dann wäre Phil auch darauf eingegangen. Wenn einer total unglücklich mit der Entscheidung ist, dann wirkt sich das negativ aus. Klar, wenn’s gar nicht anders geht, sind wir natürlich auch alle schon groß. Wir holen uns dann runter und sagen uns: ist ja alles halb so schlimm und gar kein Drama.

In Kolumbien wollten wir von einer Stadt in die andere mit dem Auto fahren. Es war unklar, ob ein Kindersitz vorgeschrieben ist. Das sind Sicherheitsfragen, die killen natürlich alles. Sobald Sicherheit im Spiel ist, macht man mit Kindern nicht mehr so wilde Sachen. Wobei wir im Vergleich zu anderen total risikobereit sind und krasse Sachen machen, die andere gar nicht machen würden. Und das schreiben meine Instagram-Follower mir dann auch.

In vielen Ländern ist es eben üblich, ohne Kindersitz zu fahren. In Asien hatten wir immer einen Kindersitz für Paul dabei. Wäre auch super teuer gewesen, den anzumieten. Das sind übrigens auch so die kleinen Sparmaßnahmen. Die Einheimischen haben den Kindersitz immer in den Kofferraum eingeladen. Und wir so: ne, ne das Kind soll da drinsitzen. Die kennen das halt gar nicht und wissen nichts damit anzufangen. Solche Sachen hören sich von hier von der Couch total witzig an, so dass die Leute denken, was geht denn mit denen ab. Aber das ist vor Ort nochmal ganz anders und du denkst dir halt, naja gut. In Südamerika fährst du mit dem Bus und die Türen sind offen – klar, kannst du da rausfallen, aber so ist das. Man muss halt so gut es geht aufpassen. Da muss jeder für sich wissen, ob er das aushalten kann oder nicht.




Ihr habt eure Reise dann, wie so viele Weltenbummler, im März abbrechen müssen. Wie war Corona für euch?

Lisa: Hier gab es keinen Spielraum und plötzlich war alles finito… Das war ein harter Dämpfer für uns. Wir hatten einen Flug für Australien und wären eigentlich jetzt dort. Die Pläne sind komplett geplatzt. Währenddessen haben wir hier in Deutschland unsere Wohnung verloren. Das hieß, dass wir nicht nach Hamburg zurück konnten. Wir haben das riesen Privileg, dass wir bei unseren Familien bleiben können. Die haben Platz und haben uns aufgenommen. Und so hat sich alles komplett gedreht.

Als sich alles so langsam entspannte, haben wir erst einmal eine Fahrradreise gemacht. Die Zeit haben wir genutzt, um auszuloten, was wir eigentlich wollen. Dann ergab eins das andere. Philipps Eltern haben das Wohnmobil verkaufen wollen. Das war schon eine Weile klar, aber wir haben gar nicht darüber nachgedacht, dass wir das finanzieren könnten. Aber manche Dinge brauchen einfach ein bisschen Zeit, um zu wirken. Und nachdem wir unsere Optionen gecheckt haben, ähnlich wie eine Krisensitzung im Ausland auch, haben wir entschieden, dass wir das mit dem Wohnmobil machen und in Europa unterwegs sein werden. Das hatten wir uns eigentlich für die Schulzeit aufgehoben. Aktuell fliegen wir mit den beiden noch sehr günstig. Für Paul zahlen wir nur die Steuern, Frieda zahlt schon. Das ist ein Unterschied. Die weiten Ziele später in den Ferien sind einfach richtig teuer. Joa, jetzt machen wir aber Europa und sind damit auch ok. Es gibt 1000 Orte, die wir hier entdecken können. Allein im direkten Umkreis, wie die Mosel, da war ich vorher noch nie.

Also ich sage mal so, wir haben eine positive Energie und machen einfach das Beste daraus, weil für uns im Vordergrund steht, zusammen Zeit zu verbringen. Abenteuer kannst du auch vor der Haustür erleben. Da musst du nicht bis ans Ende der Welt fliegen. Und das machen wir jetzt auch.


Was hat euch noch dabei geholfen, diese positive Energie anzuzapfen? Wie ist euch der Switch in dieser Situation gelungen?

Lisa: Wir haben uns natürlich kurz gefragt, ob wir alles abbrechen und wieder arbeiten gehen. Aber so war es nicht geplant. Und da muss man sich auch noch mal auf das besinnen, was man hat. Dass wir jetzt die Möglichkeit haben, in Deutschland und Europa zu reisen und noch weiter Zeit gemeinsam zu verbringen. Es ruiniert uns nicht und wir haben das, was wir haben. Dafür sind wir sehr dankbar. Klar, ist alles anders, aber es ist trotzdem noch alles sehr, sehr gut. Ich glaube, da hilft uns auch das, was wir auf Reisen so gesehen haben. Wenn ich da jetzt an Südamerika denke. Das ist unvorstellbar, was sie mit Corona für Problem haben und wir haben hier ein Top-Gesundheitssystem, das gut aufgestellt ist. Das sollte man schon auch schätzen. Die positive Energie kommt auch einfach daher, dass wir viel Spaß zusammen haben. Wir trauern dem ganzen schon hinterher, wir fragen uns auch, wie wir das hinkriegen können, das nochmal zu drehen, aber wir machen halt einfach das Beste daraus. Wir machen halt andere Sachen. Und oft ist es so, dass du einen Stein in den Weg gelegt bekommst, machst dann den Umweg und im Nachhinein denkst du: das war gar nicht so schlecht, dass ich diese Hürde nehmen musste, weil sie mich ganz woanders hingeführt hat. Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere. Sich damit zufrieden zu geben und zu sagen, das ist ok so jetzt, ist der Schlüssel.

Gibt es noch etwas, dass euch auf dem Herzen liegt?

Lisa: Das ist eine Zeit, die man so nicht mehr zurückkriegen kann. Es ist wirklich ein Privileg, dass wir nutzen dürfen. Wer Lust darauf hat und sich das vorstellen kann, soll es einfach mal probieren. Ich würde es echt jedem empfehlen, weil es eine coole Zeit zusammen ist und man echt krass zusammenwächst.



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